Kinesio taping

Man sieht sie mittlerweile überall. Aufgeklebte, bunte Bänder,

vor allem, aber nicht nur bei Profisportlern beliebt.

 

Die Geschichte des Kinesio Tapings:

In den 70er Jahren versuchte der japanische Chiropraktiker und Kinesiologe Dr. Kenzo Kase, seine Behandlungsmethoden bei Verletzungen und chronischen Krankheiten zu optimieren. Er experimentierte mit verschiedenen Tapematerialien, welche aber nicht zum gewünschten Erfolg führten. Deswegen entwickelte er ein neuartiges Klebetape, welches der Haut in Dicke, Schwere und Dehnfähigkeit nachempfunden war,. Er ging davon aus, dass Haut und Muskulatur als Unterstützung der körpereigenen Heilungs- und Regenerationsprozesse fungieren. Das Tape sollte also über die Rezeptoren der Haut bekannte, leistungsfördernde und heilende „Informationen“ übermitteln. Gleichzeitig sollten aber keine negativen sensiblen Störungen verursacht werden. Die Anlagetechniken wurden nach den Prinzipien der Kinesiologie entwickelt und getestet und geben dem Tape den Namen Kinesio-Tape (Methode: Kinesio-Taping) (vgl. Breitenbach 2004) und wir vom griechischen Wort kinesis = Bewegung abgeleitet.

 

Der Unterschied zum klassischen Tapen:

Beim klassischen Taping erzielt man durch das Tape mechanische Stabilität und eine funktionelle Immobilsation, um so Gelenke und Muskulatur zu schützen. Dabei wird die volle Bewegungsfreiheit und die Mikrozirkulation durch die Tape-Materialien eingeschränkt. Das Kinesio Tape hingegen schränkt die Bewegungsfreiheit nicht ein, sondern erhält „full range of motion“ von Haut, Gelenken und Muskulatur. Damit sollen die körpereigenen Heilungsmechanismen ermöglicht und zusätzlich aktiviert werden. Die Mikrozirkulation wird somit gefördert.

 

Wissenschaftliche Belegbarkeit:

Wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit gibt es, trotz fast 300 Studien, bisher nicht, da sie aufgrund mangelnder Evidenzbasiertheit nur von geringem wissenschaftlichem Wert sind. Wichtige Erkenntnisse gibt z. B. der Schweizer Stephan Mogel, welcher gezielt Bewegungstests und isometrische Krafttests in seiner Studie zu Kinesio Taping durchführte (nachzulesen u.a. in Seifert 2015: 38). Weitere Studien und Veröffenltichung zum Kinesio Taping finden sich in der Literaturangabe.

 

Mögliche Wirkungen des Kinesio Tapings*:

  • Einfluss auf die Muskelfunktionen (vgl. u.a. Mogel 2010)
  • Verbesserung der Mikrozirkulation (vgl. Tsai et al. 2009)
  • Aktivierung des lymphatischen Abflusses (vgl. Tsai et al. 2009)
  • Schmerzlinderung
  • Unterstützung der Gelenkfunktionen (vgl. Hsu et al. 2007)

Einsatzgebiete des Kinesio Taping:

Die Einsatzgebiete für das Kinesio Taping sind vielfältig. Vor allem in der Sportphysiotherapie, aber auch in der traditionellen Physiotherapie und Naturheilkunde finden die bunten Tapes immer mehr Anklang.

Bei folgenden Beschwerden oder Indikationen kann Kinesio Taping Sinn machen:

  • Rückenschmerzen (HWS-Probleme, Bandscheibenvorfälle, Lumbalgien, Ischialgie…),
  • Schleudertraumata,
  • Muskelproblemen (Muskelfaserrisse, Zerrungen, Verspannungen),
  • Instabilitäten (Schulter, Sprunggelenk, Handgelenk…),
  • Verletzungen aller Art (Bänderriss, Meniskusverletzung, Prellungen),
  • Arthrose,
  • Kopfschmerzen, Migräne,
  • Fehlhaltungen, Fehlstellungen, Haltungsschwächen,
  • Skoliose,
  • Lymphabflussstörungen (Lymphödeme),
  • Hämatomen,
  • Kieferproblemen,
  • Faszienproblemen,
  • Sehnenbeschwerden (Sehnenscheidenentzündung, Achillessehnenprobleme),
  • Epicondylitis (Golfer-/Tennisellbogen) und
  • Blähbauch.

Kinesio Tapes werden u.a. auch eingesetzt, wenn eine Veränderung der Muskelaktivität/ spannung erwünscht ist, bei der Unterstützung von Gelenken, zur Entlastung von Gewebe, zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte, als Unterstützung für die Triggerpunkttherapie, zur Verbesserung des Lymphabflusses und zum Beispiel um Einfluss auf Meridiane, Akupunkturpunkte und auf das viszerale („innere“) System zu nehmen. Nicht angewendet werden sollte das Tape u.a. bei malignen Tumoren, Thrombose, unklaren Infektionen, Hautproblemen (Sonnenbrand, Pilzinfektionen, Erysipel, sehr dünne Haut....) etc. Dort könnte das Tape unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Dies ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Jedoch sollte selbstverständlich sein, dass, wenn das Tape auf der Haut angewendet wird, keine kleineren oder größeren Verletzungen etc. vorliegen sollten. Ansonsten sind keinerlei Nebenwirkungen bekannt.

 

Anlagetechniken:

Beim Kinesio Taping gibt es verschiedene Anlagetechniken: Muskeltechniken, Faszientechniken, Lymphtechniken, Narbentechniken, Kombinationstechniken, um nur einige zu nennen. Muskeltechniken werden mit am Häufigsten verwendet. Hier wird das Tape je nach Beschwerdebild mit unterschiedlichem Zug angelegt. Auch der klassische „Schmerzstern“ wird so getaped.

Bei der Lymphtechnik sieht man die vielen, oft wellenförmigen Streifen, die entlang der Lymphbahnen zu den Lymphknoten geklebt werden. Hierbei wird kein Zug verwendet. Der/die Therapeut/in entscheidet immer im Einzelfall über die Anlagetechnik sowie den Zug des Tapes, denn diese sind von 0-140% dehnbar.

 

Farben der Tapes/ Farbtherapie:

Die Tapes haben verschiedene Farben, die auf der alten Farbtherapien der Mayas und Azteken beruhen und die sie die Kinesiologie zu nutzen macht. Die Farbauswahl erfolgt oft intuitiv vom Patienten aus oder der/die Physiotherapeut/in entscheidet nach Befund. Hier ein kleiner Überblick über die Farben der Kinsesio Tapes und ihre möglichen* Wirkungen:

Rote Tapes

Den roten Tapes wird eine wärmende, vitale und dynamische stabilisierende Eigenschaft zugesprochen. Sie werden daher zur Stärkung der Muskulatur und zur Anregung von Selbstheilungskräften vor allem bei chronischen Beschwerden aufgeklebt.

Blaue Tapes

Den blauen Tapes wird eine dämpfende, Wärme entziehend und vor allem entzündungshemmende Eigenschaft nachgesagt. Auf emotionaler Ebene wirken sie eher harmonisierend und entspannend. Sie sind die am häufigsten verwendeten Tapes und werden bei Muskelverspannungen, übertrainierter Muskulatur, Prellungen und Schmerzen eingesetzt.

Grüne Tapes

Grün steht für innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Balance. Sie werden gerne für Organbeschwerden eingesetzt. Sie wirken erfrischend, fördern die innere Ruhe, beruhigen und dämpfen Ängste.

Gelbe Tapes

Gelbe Tapes sollen stoffwechselanregend, nervenstärkend und generell anregend wirken. Der Farbe Gelb wird eine aufmunternd Wirkung nachgesagt, eine Anregung geistiger Tätiglkeit sowie die Lust am Lernen.

Schwarze Tapes

Schwarze Tapes wirken ähnlich wie die blauen Tapes. Sie werden häufig über andere farbige Tapes geklebt um deren Wirkung zu verstärken, denn sie stehen für Kraft und Willensstärke.

Beige Tapes

Ihnen sagt man eine neutrale Wirkung nach und werden gerne am Anfang einer Kinesio Tape Therapie verwendet. Beige Bänder wirken schonend bei Nervenverletzungen und werden oft im Gesicht und Hals angewandt.

 

Fazit:

Kinesio Taping kann eine sinnvolle Ergänzung zur physiotherapeutischen Behandlung darstellen, um die Selbstheilungskräfte des Organismus zu unterstützen und anzuregen. Vor allem Sportlern dient das Kinesio Taping als Möglichkeit, dynamisch und elastisch Beschwerden zu lindern. Aber auch Alltagsbeschwerden können durch die farbigen Bänder gelindert werden. Ausprobieren lohnt sich.

 

Kinesio Taping in der Praxis Erbe

Unser Therapeutenteam ist fachmännisch im Kinesio Tapen geschult. In internen Fortbildungen bilden wir uns ständig fort, um a) uns interdisziplinär zu vernetzen und unser Wissen zu teilen und b) immer auf dem neuesten Stand der Praktiken zu sein. Wir bieten Ihnen eine hochwertige und professionelle physiotherpeutische Betreuung und beraten Sie gerne zum Thema Kinesio Taping in unserer Praxis. Natürlich sind alle gängigen Tapes in unserer Praxis vorhanden. Kinesio Taping ist eine Selbstzahlerleistung und wird von den Krankenkassen meist nicht übernommen.

Sprechen Sie und an. Wir beraten Sie gerne.

 

 

 

 

*Aus rechtlichen Gründen wird darauf hingewiesen, dass in der Benennung der beispielhaft aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen kann. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapiemethode. Nicht für jeden Bereich unserer Naturheilverfahren besteht eine relevante Anzahl von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen, d.h. evidenzbasierten Studien, die die Wirkung bzw. therapeutische Wirksamkeit belegen.

 

 

 

Literatur:

Breitenbach, Siegrfried (2004): Kinesio-Taping - Eine neue, revolutionäre Technik! In: Physikalische Therapie 01/04. S. 16-20.

Hsu, Yin-Hsin/ Chen, Wen-Yin/ Lin, Hsiu-Chen et al. (2007): The effects of taping on scapular kinematics and muscle performance in baseball players with shoulder impingement syndrome. In: Journal of Electromyography and Kinesiology, Voulume 19, Issue 6.

→ http://performance.nd.edu/assets/114728/kinesio_and_hand_grip_strength.pdf (26.02.18)

Kumbrink,Birgit (2011): K-Taping. 2. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg.

Seifert, Sascha ( 2015): Kinesiologisches Tapin in Osteopathie und Manueller Therapie. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart.

Tsai, HJ., Hung, HC., Yang, JL. et al. (2009): Supportive Care in Cancer. Springer Verlag.

http://kintasio.de/kinesiotape/kinesio-tape-farben-bedeutung/ (26.02.18)

https://www.kinesiologisch-tapen.de/ (26.02.18)